Das Stück

In der Tragikomödie wird die vermeintliche Planbarkeit der Lebensinhalte Arbeit, Beziehung und Familie eines modernen weiblichen Lebens ad absurdum getrieben. Die Unberechenbarkeit des Schicksals trifft auf ein minuziös geplantes Lebenskonstrukt und treibt eine vom Fortpflanzungstrieb gepeinigte Gegenwartsheldin in wilde Verzweiflung.

Regula hat alles kühl vorausbedacht und scheint den Zeitplan für ihre Karriere, die Schönheit und die Schwangerschaft fest im Griff zu haben. Ihre Lebensplanung treibt mit vollen Segeln voran. Nur was tun, wenn Unvorhergesehenes auftaucht? Sie ist eine attraktive Frau und ist dabei erfolgreich Karriere zu machen. Voraussetzungen, die ihr die Aufgabe erleichtern sollten, einen Mann und Vater für ihre Kinder zu finden. Doch der Zeitdruck, dem sie sich bis zur Erfüllung ausgesetzt sieht, entfernt sie immer weiter von ihrem Ziel. Die Männer entziehen sich der Unterwerfung durch Flucht, ihr Chef zeigt sich zunehmend unzufrieden, weil sie sich ihrer Arbeit nicht mehr so ausschließlich widmet wie zuvor, und ihr Ehrgeiz in Bezug auf ihr Aussehen erfüllt sich nicht im gewünschten Maße. Die Protagonistin gerät in einen Zustand von Verängstigung, der sie zu überstürzten Handlungen verleitet.

Aus einer Frau, die bis anhin jeden Schritt in ihrem Leben beherrscht hat, verwandelt Regula sich in jemanden, der von seiner Ungeduld, seinen Instinkten und Stress gesteuert wird. Während wir unserer Heldin dabei zuschauen, wie sie ein aphrodisisches Menu kocht, um damit ihren letzten Kandidaten, den vermeintlichen Mann ihres Lebens, zu verführen, lernen wir ihre inneren Kämpfe, ihre Sehnsüchte, ihre Unbefriedigtheiten, ihre Obsessionen und ein unerwartetes Geheimnis kennen.

Aufführungen

Wiederaufnahme möglich.

19.04.2018
Premiere
Im Eisenwerk Industriestrasse 21
8500 Frauenfeld

27.04.2018
Frohsinn Genossenschaft
Wilerstrasse 12
8570 Weinfelden

03.10.2018
Phönix Theater
Im Feldbach 8
8266 Steckborn

20.04.2018
Im Eisenwerk
Industriestrasse 21
8500 Frauenfeld

28.04.2018
Theater an der Grenze
Hauptstrasse 55A
8280 Kreuzlingen

12.12.2018
Kulturmarkt Wiedikon
Aemtlerstrasse 23
8003 Zürich

Stimmen zum Stück

Wenn die Eieruhr tickt, dann geht es um mehr als um das Kochen von harten Eiern. Die vierzigjährige Karrierrefrau Regula wartet auf Frank und bereitet ein aphrodisisches Essen zu. Avocados, Austern und Kaviar soll es geben. Franks sexuelles Verlangen soll so sehr angestachelt werden, dass es heute Abend mit Beischlaf und Befruchtung bestimmt klappt.

Regula hat salopp gesagt Torschlusspanik und setzt auf ihre letzte Karte nämlich Frank. Er hat laut Vermittlungsinstitut 80 Prozent Übereinstimmung. Die Pläne der spät gebärenden, gutaussehenden Akademikerin nehmen im Laufe des Abends immer groteskere und tragischere Züge an. Immer wieder zählt sie panisch die noch lebenden Eizellen und verkrampft sich mehr und mehr. Mit Humor und Verve wird die Geschichte dargeboten und die Zuschauer sind hin- und hergerissen, fiebern mit Regula und distanzieren sich wieder.

Für überraschende Wendungen ist gesorgt. Die Verbissenheit mit der Regula ihre Pläne verfolgt, lässt sie einsamer und einsamer werden. Ihr erster Freund hat sie verlassen, die jüngerer Kollegin wird zur Rivalin und Frank, der gar nicht kommt. Die Klaviereinspielungen (Avo Pärt) und die Videos (Marc Gander) bieten stimmige kleine Verschnaufpausen, in denen ihre wahre Verlassenheit und Emotionalität aufscheinen.

Die Geschichte nimmt den schlimmstmöglichen Verlauf und lässt die Zuschauer berührt und begeistert zurück. Wie die Machbarkeit des Lebens einen in die Irre führt ist, ist eine bedeutsame Lehre, die man ziehen kann. Bei aller Zuspitzung bleibt die Geschichte detailliert und differenziert. Ein weiterer Grund, warum sich ein Theaterbesuch lohnt.

Susanne Odermatt (Schauspiel und Text) und Marcelo Diaz (Regie und Entwicklung) lassen in ihrem Stück nichts anbrennen:
Die Protagonistin spielt entschlossen und präzis, wechselweise fein und hochemotional, nie schrill oder überzogen, in den Dialogen wechselt sie blitzschnell die Haltung und den Ton, karikiert nicht, bleibt genau, wenn ihr etwa der Chef erklärt, wie grosszügig es sei, dass sie ihre Eizellen in seiner Firma gratis einfrieren dürfe und sich so ganz der Karrierre widmen könne. Oder später als Ärztin von „Happy Ovum“, die sie von dem Schritt überzeugt, da ist man als Zuschauer Zeuge von grosser Schauspielkunst. Besonders eindrücklich ist auch die Reaktion, als Frank abgesagt hat. Dieses hoch- emotionale Wechselbad, ein unerwartetes Lachen, das in ein hemmungsloses Schluchzen wechselt.

Die natürliche, ernsthafte Darstellung überzeugt bis zum bitteren Ende.

Das Bühnenbild (Corinne Koller und Pia Schwarz) ist ästhetisch kohärent, raffiniert und verwandelt sich durch die Beleuchtung: Aus weissen Plastikkanistern wird eine moderne funktionale Küchenlandschaft.

Wohl nicht die einzige Hightech–Küche, wo sich moderne Tragikomödien abspielen.
Es hilft, die vielen kurzen Szenen aufzudröseln und zu platzieren. Die Beleuchtung und Technik (Jon Brunke) sind fein abgestimmt.

Timing und Rhythmus sind sehr gut angelegt vom Regisseur Marcelo Diaz, die Situationen genau gearbeitet und entwickelt, Pointen, Brüche und Bilder spannungsvoll umgesetzt bis zum letzten Bild, das jetzt nicht verraten wird.

Man spürt in der ganzen Anlage, dass hier ein sehr erfahrener Regisseur am Werk ist mit einer klaren, eigenen Bilder- und Theatersprache und dass er mit der Spielerin sehr gut zusammengearbeitet hat. Die Besucher bekommen ein reichhaltig angerichtetes Stück zu sehen, das nichts zu wünschen übrig lässt. Marcelo Diaz hat mit dieser Arbeit das Vorurteil eindrücklich widerlegt, dass Solos dröge und langweilig sein müssen. Und obwohl nur eine Person spielt, erlebt man hautnah eine Vielzahl von Stimmen und intimen Momenten.

Kurz gesagt, ein sehr empfehlenswerter Theaterabend! Hingehen und Staunen! Dass solche Produktionen im Thurgau produziert und veranstaltet werden (Eisenwerk Theater Frauenfeld) ist ein Versprechen.

Hans Gysi, Theaterschaffender und Autor in Märstetten und Kreuzlingen


Die Uhr tickt und tickt – von Eierstöcken und Eizellenbanken, Partnersuche und dem Älterwerden. Das Dilemma von Fortpflanzungs-Countdown und Machbarkeitswahn im wunderbar tiefen, berührenden und überzeugenden Einfrau-Stück von Susanne Odermatt.
Marion Eberhard  (Journalistin, Texterin)


Eine absolut gelungene Premiere! Das Stück hat mich sehr berührt. Spannend, grossartige schauspielerische Leistung, guter Text, klares und gut stilisiertes Bühnenbild. Sehr beeindruckend!
Monika Kunz (Sekundarlehrerin)


Ein fesselndes «Ein Frau – Theaterstück», das bewegt und berührt. In bestechender Klarheit wiedergibt die bald vierzigjährige Karrierefrau Regula, worum es ihr geht im Leben: Sie will alles unter einen Hut bringen. Eine absurde Vorstellung von einem vermeintlich, planbaren Leben, dem sie nachjagt. Ein Theaterstück über das Wagnis frei zu wählen – in einer Welt voller Möglichkeiten.
Die Schauspielerin schafft es, ihre Rolle so natürlich zu spielen, als ob sie die Schwierigkeiten für heutige Frauen eigens erlebt hätte. Ein glänzender Auftritt, der in Erinnerung bleibt.
Marlise A. Rennhard-Reiss (Hochbauzeichnerin)


«Ein sehr aktuelles Stück, welches rund um das Thema künstliche Befruchtung und Planbarkeit des Kinderwunsches handelt und den Spagat zwischen Realität und Unwirklichkeit verdeutlicht. Wo fängt die Freiheit an und wo wird sie manipuliert? Die Schnittstellen und Dilemmas zwischen gleichwertiger Partnerschaft, wenn es um die Entscheidung der Familiengründunggeht und der Karriere im Job als Frau werden auf den Punkt gebracht und regen zum Denken und sich positionieren an.
Ursi Tanner (Theaterpädagogin)